Zwischen Anspruch und Realität

Das Handwerk unter dem Druck neuer Koalitionspläne.

Das Handwerk steht unter Strom – und das liegt diesmal nicht an der guten Auftragslage. Während die Politik mit Begriffen wie der neuen „Entlastungsprämie“ um sich wirft, sieht die Realität auf den deutschen Baustellen und in den Werkstätten anders aus. Ein aktueller Blick auf die Koalitionsvorschläge zeigt: Gut gemeinte Symbolpolitik hilft niemandem, wenn die Basis bröckelt.

Das Problem mit der „Freiwilligkeit“

Die Idee klingt charmant: Betriebe sollen ihren Mitarbeitern bis zu 1.000 Euro steuerfrei als Prämie auszahlen können. Was im politischen Berlin als große Entlastung gefeiert wird, sorgt bei vielen Betriebsinhabern für Kopfschütteln. Das Problem? Eine Prämie kann man nur verteilen, wenn man sie vorher erwirtschaftet hat.

In einer Zeit, in der die Baukonjunktur schwächelt, Materialpreise unberechenbar bleiben und die Lohnnebenkosten stetig steigen, fehlt vielen Betrieben schlicht der finanzielle Spielraum. Die Politik weckt hier eine Erwartungshaltung bei den Beschäftigten, die das Handwerk in eine Sackgasse treibt: Wer nicht zahlt, gilt als knauserig – auch wenn die Kasse schlicht leer ist.

Strukturreformen statt Einmalzahlungen

Wie der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) in seiner Pressemitteilung aktuell deutlich mahnt, braucht es keine kurzfristigen Pflaster, sondern eine stabile Behandlung der Ursachen. Das gesamte Handwerk – vom Dachdecker über den Elektriker bis zum Maurer – fordert:

  • Bezahlbare Sozialsysteme: Die Belastungsgrenze bei den Lohnnebenkosten ist erreicht. Wenn Arbeit für beide Seiten – Chef und Angestellte – bezahlbar bleiben soll, muss hier der Hebel angesetzt werden.

  • Echter Bürokratieabbau: Jede Stunde, die ein Meister im Büro mit Formularen verbringt, fehlt er auf der Baustelle oder bei der Ausbildung des Nachwuchses.

  • Planungssicherheit: Handwerk ist langfristig. Wir brauchen klare Leitplanken für die Energiewende und den Wohnungsbau, keine monatlich wechselnden Förderprogramme.

Ein Lichtblick: Die Steuerreform

Nicht alles ist Schatten. Die angekündigten Pläne zur Einkommensteuerreform, die speziell Personengesellschaften entlasten sollen, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Auch die mögliche Senkung der Stromsteuer könnte viele energieintensive Betriebe spürbar entlasten. Doch diese Maßnahmen müssen schnell und unbürokratisch kommen.