Spitzenreiter bei Chefinnen

Warum das Handwerk den DAX abhängt.

Die aktuelle Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts (2023) belegt: Das Gesicht des Handwerks wird weiblicher. Mit einer Frauenquote von35 % in der Geschäftsführung lässt unsere Branche DAX-Konzerne (14,3 %) und den sonstigen Mittelstand (12,7 %) weit hinter sich. Dennoch gibt es ungenutzte Potenziale, die für Ihre Fachkräftesicherung von morgen entscheidend sind.

1. Der Branchen-Check: Wo steht Ihr Gewerk?

Die Studie zeigt, dass jedes Gewerk eigene Stärken bei der Frauenbeschäftigung hat:

  • Gesundheit & Lebensmittel: Hier ist Parität oft schon Realität. Im Gesundheitsgewerbe (z. B. Optiker) sind 66 % der Chefinnen weiblich; das Lebensmittelhandwerk führt mit 86 % Frauenanteil in der Belegschaft.
  • Kfz-Gewerbe: Ein Vorbild für Verantwortung – hier tragen 40 % der Frauen Personalverantwortung, der Spitzenwert im Handwerk. Zudem sind hier fast 90 % der Chefinnen erfolgreiche Quereinsteigerinnen.
  • Bau & Ausbau: Obwohl diese Gewerbe noch männlich dominiert sind (Belegschaft < 20 %), zeigt sich ein Wandel in der Führung: Über 50 % der dortigen Chefinnen bringen als Quereinsteigerinnen frisches Know-how in die Betriebe.
  • Gewerblicher Bedarf: Dieses Gewerk ist Vorreiter bei der Flexibilität; 66 % der Frauen nutzen hier moderne Teilzeitmodelle.

2. Fokus Familie: Kinderbetreuung & Elternzeit

 

Die Doppelbelastung (66 %) und fehlende Betreuungsmöglichkeiten (23 %) sind für Frauen die größten Barrieren. Hier hat sich jedoch viel getan:

  • Flexible Lösungen: 44 % der Betriebe erarbeiten bereits individuelle Einzelfalllösungen zur Kinderbetreuung
  • Finanzielle Unterstützung: Bereits 15 % der Betriebe unterstützen ihre Mitarbeiter finanziell bei der Kinderbetreuung (ein Anstieg von nur 3 % im Jahr 2003)
  • Die 32 %-Hürde: Dennoch sieht fast ein Drittel der Betriebe momentan noch keine Möglichkeit zur Unterstützung – hier sind innovative Konzepte gefragt
  • Kontakt halten: Während 48 % der Betriebe Frauen in Elternzeit zu Feiern einladen, unternehmen 38 % noch keine gezielten Anstrengungen, um den Kontakt während der Elternzeit zu halten und die Rückkehr zu erleichtern

2. Motoren des Wandels: Qualifikation, Nachfolge & Quereinstieg

Frauen im Handwerk sind heute fachliche Leistungsträgerinnen:

  • Meister-Power: 45 % der Geschäftsführerinnen führen mit Meistertitel – ein massiver Anstieg seit 2003 (damals 28 %).
  • Nachfolge: Für 44 % der Frauen ist die Übernahme des elterlichen Betriebs der Hauptmotor für die Selbstständigkeit.
  • Quereinstieg: Beeindruckende 43 % aller Geschäftsführerinnen kommen aus anderen Branchen und bereichern das Handwerk mit neuen Perspektiven.

3. Regionen & Vielfalt: Der Blick nach Osten

  • Ost-West-Sensation: In den östlichen Bundesländern erreichen weibliche Auszubildende mit 43 % fast die Parität (Westen: 24 %). Grund sind laut Studie modernere Rollenbilder und eine historisch höhere Erwerbsneigung von Frauen im Osten.
  • Migrations-Potenzial: Bisher haben nur 6 % der Geschäftsführerinnen einen Migrationshintergrund – hier liegt eine enorme, bisher ungenutzte Reserve für den Markt.

4. Die „Strategielücke“ schließen – Was jetzt zu tun ist

Trotz hoher Bereitschaft (63 %) mehr Frauen einzustellen, haben 54 % der Betriebe keine gezielte Strategie zur Gewinnung.

  • Herausforderungen: Die größten Hürden bleiben der Bewerbermangel (47 %) und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (66 %).
  • Die „Null-Quote“: 22 % der Betriebe arbeiten noch komplett ohne Frauen – ein Wert, der seit 20 Jahren stagniert.
  • Rückgrat Familienbetrieb: In 54 % der Betriebe leisten weibliche Familienangehörige (meist Partnerinnen) unverzichtbare administrative Arbeit.

Wo Frauen im Betrieb integriert sind, profitieren Teams von hoher Empathie und Teamfähigkeit. Nutzen Sie flexible Einzelfalllösungen, um für Fachkräfte und Nachfolgerinnen attraktiv zu bleiben.

Komplette Studie hier

Datenbasis: LFI-Studie „Die Beschäftigungssituation von Frauen im deutschen Handwerk“, September 2023.