Die Tischler-Innung Berlin hat bei ihrer Sommer-Innungsversammlung am 21. August 2026 in den Tegeler Seeterrassen wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Im Mittelpunkt standen die Ausbildung, die Zukunft der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU), Veränderungen im Ehrenamt und die Neuwahl der Innungsspitze.
Schon zu Beginn wurde deutlich, wie sehr das Thema Ausbildung die Berliner Tischlereibetriebe beschäftigt. Tischlermeister Klaus Henke brachte die steigenden Kosten der Ausbildung zur Sprache. Gerade kleinere Betriebe stehen zunehmend vor der Frage, wie sich Ausbildung unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen langfristig sichern lässt. Henke hatte seine Gedanken dazu bereits vor der Versammlung in einem offenen Brief an die Mitglieder formuliert.
ÜLU-Standort Bernau bleibt
Besonders intensiv diskutierte die Versammlung die geplante Verlegung des Grundkurses (G-TSM) der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung von Bernau an den Mehringdamm. Vorgesehen war, den Kurs ab dem Ausbildungsjahr 2027/2028 an der Meisterschule am Mehringdamm durchzuführen und den Standort Bernau schrittweise bis Ende 2030 zu schließen.
Stefan Püttner, TSM-Ausbilder, Mitglied, Prüfer und freier Dozent, erläuterte die guten Bedingungen am Standort Bernau. Auch aus der Versammlung kamen deutliche Bedenken, ob eine Verlegung die Qualität der Ausbildung beeinträchtigen könnte. Am Ende sprach sich die Innungsversammlung klar gegen die Verlegung aus. Der Standort Bernau soll damit weiterhin eine wichtige Rolle in der überbetrieblichen Ausbildung der Berliner Tischler spielen.
Abschied nach Jahrzehnten im Ehrenamt
Die Versammlung war zugleich von persönlichen Abschieden geprägt. Obermeister Frank Niehus beendete nach mehr als 30 Jahren sein ehrenamtliches Engagement für die Tischler-Innung Berlin. In seinem Rückblick erinnerte er unter anderem an seinen Beginn als Nachfolger von Herrn Hannemann auf den Olympiaterrassen und an eine besondere Aufgabe während seiner Zeit als Obermeister: die historische Berliner Tischler-Fahne in Leipzig/Dresden ausfindig zu machen und als Kopie wieder in die Innung zu bringen.
Auch Gerald Geisler wurde nach vielen Jahren ehrenamtlicher Arbeit verabschiedet. Seit 2002 war er im Gesellenprüfungsausschuss aktiv, später unter anderem im Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten, im Vorstand, als Lehrlingswart und im Meisterprüfungsausschuss. Seit 2020 gehört er der Tarifkommission an und bleibt dieser auch weiterhin verbunden. Michael Thieß würdigte Geisler in einer persönlichen Abschiedsrede. Carl von Seydlitz verabschiedete Frank Niehus mit anerkennenden Worten.
Neue Gesichter an der Spitze
Mit den Nachwahlen beginnt für die Tischler-Innung Berlin zugleich eine neue Phase. Adrian Ziech übernimmt das Amt des Obermeisters. Zu seinem Stellvertreter wurde Christian Hanke gewählt. Jule Kürschner übernimmt künftig als Lehrlingswartin eine zentrale Aufgabe für den Bereich Ausbildung. Klemens Hantsch verstärkt den Vorstand.
Auch im Gesellenausschuss gibt es Veränderungen: Philipp Buhk übernimmt den Vorsitz, Silvio Wiemann gehört künftig als Mitglied dem Ausschuss an. Der Prüferpool wurde ebenfalls neu besetzt.
Der neue Obermeister Adrian Ziech dankte zum Abschluss der bisherigen Geschäftsführung und dem Team der Geschäftsstelle für die geleistete Arbeit. Gleichzeitig richtete er den Blick nach vorn und machte deutlich, dass die Innung den eingeschlagenen Weg gemeinsam weitergehen will.
Finanziell gut aufgestellt
Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Innung war Thema der Versammlung. Die Einnahmen haben im Jahr 2025 erstmals die Marke von einer Million Euro überschritten. Die Innung zählt aktuell 179 Mitglieder, neun Gastmitglieder und 40 Fördermitglieder. Neue Betriebe und Betriebsübernahmen konnten im vergangenen Jahr ebenfalls begrüßt werden.
Seit Dezember 2025 unterstützt Linda Toukabri die Geschäftsstelle. Die Jahresrechnung 2025 wurde angenommen, Vorstand und Geschäftsführerin Juliane Adam wurden entlastet. Für 2027 bleibt die Beitragsordnung unverändert. Auch die Aussetzung der U-Fonds-Zahlungen wird fortgeführt. Der Haushaltsplan für 2027 wurde ebenfalls beschlossen.
Ehrungen für langjährige Meister und Betriebe
Zum Abschluss nutzte die Innung den Rahmen der Versammlung, um langjährige Meister und einen traditionsreichen Betrieb zu ehren. Ausgezeichnet wurden Heike Anschütz von der Tischlerei Megat für 20 Jahre Meisterjubiläum, Peter Medau von der Zweibaum Werkstatt GmbH für 25 Jahre sowie Dietmar Aufleiter, Heike Bischofberger von Plan B, Thomas Seeger von der BTS Bautischlerei Seeger, Dirk Mertens und Peter Krause von der Tischlerei K & V für jeweils 35 Jahre Meisterjubiläum.
Die Innungs-Tischlerei K & V wurde außerdem für ihr 30-jähriges Betriebsjubiläum gewürdigt. Peter Krause und Alfred Vainceur stehen dabei für die lange Geschichte und Kontinuität des Betriebs.
Der Blick nach vorn
Nach einer ereignisreichen Versammlung richtet sich der Blick nun auf die nächsten Termine: Ende August stehen PLW und Freisprechung auf dem Programm, im September folgen der Gestaltertag und der Tag des Handwerks. Im Oktober lädt die Innung zum Oktoberfest im Flurweg ein.
Die Sommer-Innungsversammlung hat damit vieles bewegt. Die Tischler-Innung geht mit neuen Gesichtern, einer soliden wirtschaftlichen Basis und viel Engagement für den Nachwuchs in die nächste Runde.



