Im Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) in Berlin-Kreuzberg hat heute der offizielle Auftakt zum Aktionsprogramm Handwerk 2027–2029 begonnen. Die Veranstaltung der Handwerkskammer Berlin bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Betrieben, Innungen, Politik und Nachwuchs zusammen – mit einem klaren Ziel: konkrete und umsetzbare Lösungen für die Herausforderungen des Handwerks zu entwickeln.
Bereits zur Begrüßung machte Dr. Martin Altemeyer-Bartscher deutlich, worum es geht: weniger Theorie, mehr Praxis. Im Mittelpunkt stehen reale Probleme aus dem Betriebsalltag – von bürokratischen Hürden über Fachkräftemangel bis hin zur Zukunftsfähigkeit von Betrieben.
Austausch auf Augenhöhe: Wo es im Alltag hakt
In moderierten „Thementischen“ diskutieren die Teilnehmenden in kurzen, intensiven Runden zentrale Fragen. Alle 15 Minuten wechseln die Gruppen, sodass möglichst viele Perspektiven zusammenkommen. Themen wie Digitalisierung, Umwelt, Energie, öffentliches Auftragswesen oder Bürokratieabbau werden dabei ebenso behandelt wie Imagefragen und die Rolle des Ehrenamts im Handwerk.
Besonders im Fokus stehen jedoch drei zentrale Themenbereiche, die als Schlüssel für die Zukunft des Handwerks gelten:
1. Bildung und Nachfolge: Früh ansetzen und neu denken
Ein zentrales Ergebnis der Diskussionen: Die Weichen für eine erfolgreiche Ausbildung müssen deutlich früher gestellt werden. Viele Teilnehmende betonen, dass die Stärkung der allgemeinen Schulbildung bereits vor dem Einstieg in die Ausbildung beginnen muss.
Herausforderungen:
- Unzureichende Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben
- Eltern werden bislang zu wenig in die Berufsorientierung einbezogen
- Geringe Sichtbarkeit des Handwerks an Gymnasien
Konkrete Ansätze und Maßnahmen:
- Frühzeitige Berufsorientierung und stärkere Präsenz des Handwerks an Schulen
- Internationale Austauschprogramme für Auszubildende
- Nutzung sozialer Medien und gezielte Ansprache durch Meinungsführer*innen
- Veranstaltungen speziell für Jugendliche
- Transparente Darstellung von Verdienstmöglichkeiten im Handwerk
Einigkeit besteht darin: Das Handwerk muss sichtbarer, greifbarer und attraktiver werden – insbesondere für junge Menschen mit unterschiedlichsten Bildungswegen.
2. Stadtentwicklung, Verkehr und Gewerbe: Raum für Handwerk sichern
Ein weiteres drängendes Thema ist die Rolle des Handwerks in der wachsenden Stadt Berlin. Viele Betriebe sehen sich zunehmend unter Druck.
Herausforderungen:
- Verdrängung des Handwerks aus innerstädtischen Lagen
- Gentrifizierung und steigende Mieten
- Fehlender bezahlbarer Wohnraum für Beschäftigte
- Sanierungsstau bei Infrastruktur
Diskutierte Maßnahmen und Akteure:
- Ausbau landeseigener Gewerbehöfe
- Stärkere Förderung von Genossenschaftsmodellen
- Einführung eines „Mietendeckels“ für Gewerbe
- Investitionen in Infrastruktur und Verkehrswege
Die Diskussion zeigt deutlich: Ohne geeignete Flächen und bezahlbare Rahmenbedingungen kann das Handwerk seine Versorgungsfunktion in der Stadt langfristig nicht erfüllen.
3. Fachkräfte und Vielfalt: Neue Wege gegen den Mangel
Der Fachkräftemangel bleibt eines der zentralen Probleme – verschärft durch demografische Entwicklungen und strukturelle Hürden.
Herausforderungen:
- Schwierige Vereinbarkeit von Arbeitszeiten und Kinderbetreuung
- Rückgang von Ausbildungsbetrieben
- Zu geringe Zahl weiblicher Fachkräfte im Handwerk
- Komplexe Anerkennungsverfahren für zugewanderte Fachkräfte
- Fehlende Vorbilder, insbesondere für Frauen
- Unsicherheiten bei der Betriebsnachfolge
Erarbeitete Lösungsansätze:
- Flexiblere Arbeitszeitmodelle
- Gezielte Förderung von Frauen im Handwerk
- Vereinfachung von Anerkennungsverfahren
- Stärkere Unterstützung bei der Betriebsübernahme
- Sichtbarkeit von Vorbildern und Erfolgsgeschichten
Hier wird besonders deutlich: Die Zukunft des Handwerks hängt stark davon ab, wie offen und attraktiv die Branche für unterschiedliche Lebensentwürfe gestaltet wird.
Gemeinsames Ziel: Konkrete Maßnahmen statt abstrakter Strategien
Neben den drei Schwerpunktthemen wurden auch übergreifende Bereiche wie Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit intensiv diskutiert. Dabei zeigt sich ein klares gemeinsames Verständnis: Die entwickelten Maßnahmen müssen im Betrieb tatsächlich funktionieren – und dürfen nicht auf abstrakter Ebene stehen bleiben.
Am Ende der Veranstaltung werden die zentralen Ergebnisse aus allen Themenbereichen zusammengeführt und vorgestellt. Die große Beteiligung – von Innungsvertreterinnen über Senatsmitglieder bis hin zu Jungmeisterinnen und Betrieben – unterstreicht die Bedeutung des Programms.
Die kommenden Schritte werden entscheidend sein: Denn aus den heute gesammelten Ideen müssen konkrete Maßnahmen entstehen, die den Alltag der Betriebe spürbar verbessern – und das Handwerk in Berlin nachhaltig stärken.



