Handwerk mit Zukunft

Wer gewinnt, wer verliert? Die harten Fakten aus dem neuen Bildungsbericht.

Das Handwerk ist ständig in Bewegung. Während einige traditionsreiche Gewerke sich neu erfinden müssen, erleben andere einen regelrechten Boom – angetrieben von Technologie, Lifestyle-Trends und dem Wunsch nach Nachhaltigkeit. Doch wo genau brummt das Geschäft mit dem Nachwuchs, und welche Berufe müssen aktuell um jeden Azubi kämpfen?

Ein Blick in die brandneuen Erhebungen liefert spannende Einblicke, handfeste Zahlen und zeigt ein klares Bild für unseren Berliner Markt.

Der große Trend: Ostdeutschland und Berlin hängen den Westen ab

Wer glaubt, das Handwerk verliere flächendeckend an Boden, der irrt gewaltig. Es gibt jedoch ein klares Ost-West-Gefälle bei der Dynamik im Ausbildungsmarkt:

  • Der Osten boomt: In Ostdeutschland (inklusive Berlin) verzeichnete das Handwerk bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein starkes Plus von +1,7 % im Vergleich zum Vorjahr.
  • Der Westen stagniert: In den westlichen Bundesländern gab es dagegen nur eine minimale Veränderung von gerade einmal +0,1 %.

Insgesamt wurden deutschlandweit im Handwerk im jüngsten Erfassungszeitraum 135.540 neue Ausbildungsverträge unterschrieben – ein solides Gesamtplus von +0,4 %. Damit zeigt sich das Handwerk deutlich krisenfester als beispielsweise Industrie und Handel, die bundesweit einen spürbaren Rückschlag von -4,6 % verkraften mussten.

Die Gewinner: Diese Gewerke starten durch

Besonders spannend wird es, wenn man sich die einzelnen Berufsbilder anschaut. Hier stechen vor allem zwei Gruppen als klare Gewinner hervor: der Lifestyle-Sektor und die High-Tech-Gewerke.

1. Der absolute Spitzenreiter: Das Friseurhandwerk (+7,8 %)

Totgesagte leben länger! Das Friseurhandwerk erlebt einen echten Aufschwung. Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge stieg sprunghaft um +7,8 % auf insgesamt 7.497 Verträge an. Das Wachstum wird hier von beiden Geschlechtern getragen. Während die Zahl der weiblichen Azubis um solide 4,6 % stieg, gab es bei den jungen Männern ein fettes Plus von +13,3 %. Stil, Pflege und Barber-Kultur sind im Trend!

2. Kreative Handwerkskunst: Gold- und Silberschmiede (+8,2 %)

Individueller Schmuck und echtes Handwerk sind wieder gefragt. Die modernisierte Ausbildung zum Gold- und Silberschmied legte um stolze +8,2 % auf 186 Neuverträge zu. Auch hier zeigt sich ein spannendes Detail: Vor allem junge Frauen (+12,6 %) treiben diesen Beruf nach vorne.

3. Der ewige König: Kraftfahrzeugmechatroniker

Wenn es um die reinen Spitzenzahlen der beliebtesten Berufe bei jungen Männern geht, bleibt der Kraftfahrzeugmechatroniker mit rund 23.000 neu abgeschlossenen Verträgen die unangefochtene Nummer 1 in der Bundesrepublik.

4. Die Macher im Aufwind: Maler/-innen und Lackierer/-innen (+4,9 %)

Auch die Gestalter der Oberflächen legen kräftig zu. Mit insgesamt 6.567 neu abgeschlossenen Verträgen verzeichnet dieses traditionsreiche Gewerk ein sattes Plus von +4,9 %. Das Bewusstsein für energetische Fassadensanierungen und hochwertige, moderne Innenraumgestaltung macht sich in den Betrieben spürbar bezahlt.

5. Die Beständigen: Tischler/-innen

Holz hat einfach ein verdammt gutes Image bei der Generation Z. Mit bundesweit rund 6.000 neu abgeschlossenen Verträgen behauptet sich das Tischlerhandwerk sicher in den nationalen Top 15 der beliebtesten Ausbildungsberufe (Platz 16 im spartenübergreifenden Gesamtranking). Die Werkstätten bleiben voll!

Das solide Fundament: Stabil auf hohem Niveau

Einige Gewerke fallen zwar nicht durch riesige prozentuale Sprünge auf, bilden aber das unverzichtbare, starke Rückgrat unserer Wirtschaftsmacht von nebenan.

1. Die Klimaschützer: Anlagenmechaniker/-innen für SHK

Der Beruf rund um Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sichert sich mit rund 14.000 neuen Ausbildungsverträgen einen unangefochtenen Spitzenplatz in den Top 5 der beliebtesten Männer-Berufe. Trotz politischer Diskussionen um die Wärmewende bleibt das Interesse junger Menschen an diesem zukunftssicheren Gewerk ungebrochen hoch.

2. Die Karosserie-Profis: Fahrzeugbaumechaniker/-innen (-0,7 %)

Mit 1.632 Neuverträgen bewegt sich die modernisierte Ausbildung im Karosserie- und Fahrzeugbau haarscharf auf dem Niveau des Vorjahres. Ein absolut stabiles Ergebnis, das zeigt, dass die Betriebe verlässlich für ihren eigenen Fachkräftenachwuchs sorgen.

Die Verlierer: Where it hurts

Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Einige Berufe haben im letzten Jahr empfindlich Federn lassen müssen – teilweise durch verändertes Konsumverhalten, die Digitalisierung oder die wirtschaftliche Gesamtlage.

1. Der größte Rückschlag: Fotografen/-innen (-18,2 %)

Die Digitalisierung und die Allgegenwärtigkeit von KI-Bildern und Smartphones setzen dem klassischen Fotografenhandwerk sichtlich zu. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge brach hier um dramatische -18,2 % ein (auf nur noch 138 Verträge bundesweit). Besonders der Einbruch bei den männlichen Bewerbern war mit -42,7 % massiv.

2. Durststrecke beim Genuss: Brauer und Mälzer (-15,3 %)

Obwohl Craft-Beer in aller Munde ist, spiegelt sich das nicht in den Ausbildungszahlen wider. Die Brauer und Mälzer verzeichneten ein Minus von -15,3 % bei den Neuverträgen (insgesamt nur noch 303 Abschlüsse). Sowohl Männer (-16,1 %) als auch Frauen (-11,1 %) unterschrieben deutlich seltener einen Lehrvertrag in den Brauereien.

3. Konsolidierung bei den Klima-Gewerken: Elektroniker/-innen (-2,4 %)

Nach den extremen Boom-Jahren der Energiewende kühlt sich der Markt für Elektronikerausbildungen auf extrem hohem Niveau leicht ab (ein Minus von -2,4 % auf rund 14.550 Verträge). Dennoch bleibt der Beruf das absolute, unersetzliche Fundament der handwerklichen Infrastruktur.

4. Der Strukturwandel in den Backstuben: Bäcker & Konditoren

Die Lebensmittelgewerke spüren den Wandel im Konsumverhalten und die Konkurrenz durch Großbäckereien schmerzhaft. Hinzu kommt, dass die Arbeitszeitwünsche junger Menschen oft schwer mit den traditionellen Arbeitszeiten in der Backstube vereinbar sind. Hier müssen wir innovative Wege gehen, um die Berufe wieder attraktiver zu machen.

5. Vorsicht am Bauhauptgewerk: Maurer/-innen und Betonbauer/-innen

Die spürbare Abkühlung im Wohnungsneubau – ausgelöst durch gestiegene Zinsen und Materialkosten – schlägt mittlerweile auch auf den Ausbildungsmarkt durch. Die Einstellungsbereitschaft in den klassischen Bauhauptgewerken ist spürbar verhaltener geworden.

Für uns in Berlin – als Teil des dynamischen ostdeutschen Marktes – zeigen die Daten vor allem eines: Das Handwerk hat eine enorme Anziehungskraft, wenn die Story stimmt! Junge Menschen suchen Berufe, die entweder digitale Relevanz besitzen, aktiv zum Klimaschutz beitragen oder einen direkten Bezug zu Lifestyle und Ästhetik bieten.

Detaillierte Quellenangaben und statistische Hinweise:

  • Herausgeber der Daten: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), offizielle Vorversion der Internettabellen zum Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 (Stand: 06.05.2026).
  • Datengrundlage: Amtliche Berufsbildungsstatistik (Erhebung zum 30. September).
  • Hinweis zur Statistik: Aus Datenschutzgründen werden alle Absolutwerte in der amtlichen Statistik jeweils auf ein Vielfaches von 3 gerundet. Der Gesamtwert kann deshalb geringfügig von der Summe der Einzelwerte abweiche