Berlin, 16. Oktober 2025.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Industrie- und Handelskammer Berlin stellten die IHK Berlin und die Handwerkskammer Berlin die Ergebnisse der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage 2025 vor. Das Bild ist gemischt: Einige Branchen senden leichte Erholungssignale, doch die Berliner Wirtschaft befindet sich weiterhin im Krisenmodus.
Rund 950 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Handwerk nahmen an der Befragung teil. Der Konjunkturklimaindex, der aktuelle Geschäftslage und Erwartungen zusammenfasst, steigt leicht auf 105 Punkte und liegt damit nur knapp über dem neutralen Wert von 100. Gegenüber dem Frühsommer (102 Punkte) ist das ein kleiner Zuwachs, doch insgesamt bleibt die Stimmung schwach und entspricht dem Vorjahresniveau.
Die aktuelle Geschäftslage wird von vielen Unternehmen als angespannt beschrieben. Der entsprechende Indikator fällt auf sechs Punkte – ähnlich wie in den Pandemiejahren. Besonders betroffen sind das verarbeitende Gewerbe und das Gastgewerbe, wo Umsätze und Aufträge deutlich rückläufig sind. Etwas stabiler präsentiert sich das Baugewerbe, während das Kfz- und Ausbaugewerbe sowie die Gewerke des gewerblichen Bedarfs über eine weiterhin solide Nachfrage berichten.
Auch wenn die Unternehmen ihre Erwartungen etwas optimistischer einschätzen als im Vorjahr, bleibt die Hoffnung auf Besserung vorsichtig. Der Erwartungsindikator liegt bei fünf Punkten, zehn mehr als im Vorjahresherbst. Vor allem Dienstleistungsbetriebe zeigen sich etwas zuversichtlicher, während viele andere Branchen abwarten und auf verlässlichere politische Rahmenbedingungen hoffen.
Der Beschäftigungssaldo fällt erstmals seit der Corona-Krise wieder ins Negative: minus vier Punkte signalisieren einen leichten Personalabbau. Investitionen werden zurückgestellt oder beschränken sich auf Ersatzbeschaffungen. Nur etwa jedes zweite Unternehmen investiert derzeit, deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt. In Industrie und Handel ist die Investitionsbereitschaft besonders gering.
Das Handwerk zeigt sich in dieser insgesamt schwachen Wirtschaftslage als stabiler Faktor. Viele Betriebe halten ihre Beschäftigung, auch wenn die Dynamik fehlt. Im Baugewerbe sinkt der Anteil investierender Unternehmen auf ein niedriges Niveau, und die Beschäftigungspläne bleiben zurückhaltend. Besonders im Kfz- und Ausbaugewerbe sowie bei den gewerblichen Bedarfshandwerken bleibt die Auslastung aber hoch. Das Berliner Handwerk trägt damit in schwierigen Zeiten zur Stabilität der Gesamtwirtschaft bei.
Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, betonte, dass das Handwerk stabil stehe, jedoch ohne Aufwärtstendenz. Der Fachkräftemangel, steigende Arbeitskosten und der enorme bürokratische Aufwand würden viele Betriebe ausbremsen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen litten unter den komplexen Vorgaben bei öffentlichen Aufträgen, die kaum noch zu bewältigen seien.
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung nennen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: Bürokratie, Abgabenlast und unübersichtliche Vorgaben. Der Fachkräftemangel tritt etwas in den Hintergrund, bleibt aber in vielen Handwerksbranchen ein dauerhaftes Problem. Zudem schwächt der geringe Inlandsabsatz die Auftragslage vieler Betriebe.
Henrik Vagt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, erklärte, dass die leichte Aufhellung der Stimmung im Dienstleistungssektor nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass die wirtschaftliche Lage insgesamt weiter schwierig sei. Er forderte von der Politik entschlossenes Handeln: weniger Bürokratie, geringere Abgaben und bessere Bedingungen für Investitionen. Die geplante Ausbildungsplatzumlage bezeichnete er als das falsche Signal in dieser Situation.
Das Fazit der gemeinsamen Pressekonferenz fällt eindeutig aus: Berlin braucht weniger Belastung und mehr Vertrauen in seine Betriebe. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und einem stärkeren Fokus auf mittelständische Strukturen kann die Hauptstadtwirtschaft wieder auf Wachstumskurs kommen. Das Handwerk bleibt dabei ein zentraler Stabilisator – zuverlässig und unabdingbar für Beschäftigung und Ausbildung in Berlin.
Hier gibt es den vollständigen Konjunkturbericht.



