Energiepreise: Entlastung mit Lücken

Handwerk fordert Nachbesserungen ...

Das Bundeskabinett hat Anfang September ein neues Maßnahmenpaket zur Senkung der Energiepreise vorgelegt. Vorgesehen ist eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer – allerdings ausschließlich für das produzierende Gewerbe sowie für die Land- und Forstwirtschaft. Hinzu kommt ein staatlicher Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten in Höhe von 6,5 Milliarden Euro jährlich. Finanziert werden diese Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds. Ziel ist es, energieintensive Betriebe wie Schreinereien, Bäckereien oder Fleischereien zu entlasten. Viele andere Gewerke, darunter etwa Textilreiniger, profitieren jedoch nicht von den Maßnahmen.

Enttäuschung im Handwerk

Die Reaktionen der Verbände fallen kritisch aus.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), sprach von einem „massiven Vertrauensbruch“ und forderte eine Stromsteuersenkung für alle Betriebe. Auch der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) kritisierte, dass die Entlastung nur bestimmten Branchen zugutekomme. Nur allgemeine Strompreissenkungen würden die Investitionen in klimarelevante Technologien wie Ladeinfrastruktur oder Wärmepumpen sichern.

Auch die Bitkom warnte, dass Rechenzentren und Telekommunikationsnetze dringend entlastet werden müssten, um die digitale Souveränität Deutschlands nicht zu gefährden.

Netzentgelte unter Druck

Ein besonderer Kostentreiber bleiben die Netzentgelte, die einen erheblichen Teil der Stromrechnung ausmachen. Laut einer Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) erzielen einige Netzbetreiber seit Jahren zweistellige Renditen – in Einzelfällen sogar bis zu 50 Prozent. Möglich werde dies nur durch einen zu laschen Regulierungsrahmen, so bne-Geschäftsführer Robert Busch.

Die Bundesnetzagentur weist in ihrem aktuellen Versorgungssicherheitsbericht zudem auf den dringenden Ausbaubedarf hin: Ohne digitale Steuerung und flexible Netze drohen Versorgungsprobleme, wenn die Energiewende ins Stocken gerät.

Vertrauen schaffen, Energiewende sichern

Für viele Handwerksbetriebe bleibt die Situation angespannt. Strompreise und Netzentgelte sind weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Gleichzeitig sorgt die einseitige Entlastungspolitik für Unmut. ZDH und ZVEH fordern deshalb eine Senkung der Stromsteuer für alle Betriebe sowie transparente Regeln bei den Netzentgelten.

Langfristig können nur Investitionen in moderne Netze, digitale Steuerung und Speichertechnologien die Versorgung sichern und den Betrieben verlässliche Planungsperspektiven geben.

 

Quelle: Holzmann Medien GmbH & Co. KG