Berliner Konjunktur im Herbst 2026:

Handwerk blickt mit Sorge auf das Winterhalbjahr.

(C) Grafik: IHK & HWK Berlin; Foto: WHdI Berlin e.V.

Die Berliner Wirtschaft zeigt im Herbst 2026 eine leichte Aufhellung. Von einem Aufschwung kann jedoch keine Rede sein. Der Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Frühsommer um einen Punkt auf 101 Zähler. Damit liegt er weiterhin vier Punkte unter dem Vorjahreswert und mehr als 20 Punkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Das geht aus dem Berliner Konjunkturbericht Herbst 2026 von IHK Berlin und Handwerkskammer Berlin hervor. Für das Berliner Handwerk fällt die Bilanz verhaltener aus. Sein Geschäftsklimaindex sinkt gegenüber dem Frühjahr um drei Punkte auf 97 und liegt damit zehn Punkte unter dem Vorjahreswert. Zwar bewerten weiterhin 37 Prozent der Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als gut, gleichzeitig hat sich die Auftragslage verschlechtert.

33 Prozent der Betriebe beurteilen ihren Auftragsbestand als zu gering. Im Vorjahr waren es noch 22 Prozent. Auch die Auftragsreichweite ist innerhalb eines Jahres von 16,5 auf 10,4 Wochen zurückgegangen. Die Auslastung sinkt auf 80 Prozent und erreicht damit den niedrigsten Herbstwert seit 2009.

Zum vierten Mal in Folge überwiegen im Handwerk die Betriebe mit rückläufigen Umsätzen und Auftragseingängen. Die entsprechenden Salden liegen bei minus 18 beziehungsweise minus 13 Prozentpunkten.

Der Kostendruck bleibt hoch: 82 Prozent der Handwerksbetriebe stufen die Arbeitskosten als hohes oder sehr hohes Risiko ein. Bei den Rohstoff- und Energiekosten sind es jeweils 80 Prozent.

Die Entwicklung in den sieben Handwerksgruppen

Der Konjunkturbericht unterscheidet sieben Handwerksgruppen. Ihre Ergebnisse fallen unterschiedlich aus.

Bauhauptgewerbe

Der Branchenindex steigt gegenüber dem Frühjahr von 91 auf 104 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage wird damit besser bewertet, der Ausblick bleibt jedoch von Skepsis geprägt. Zur Stabilisierung tragen vor allem die Dachdecker bei. Maurer und Betonbauer melden weiterhin schwache Geschäfte. Im Berliner Wohnungsbau gibt es erste positive Signale. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie die Unsicherheit über den künftigen wohnungspolitischen Kurs erschweren jedoch die weitere Entwicklung.

Ausbaugewerbe

Mit 99 Punkten fällt der Branchenindex erstmals seit dem Frühjahr 2010 unter die Marke von 100. Der schwache Wohnungsbau bremst zunehmend die Nachfrage nach Elektro-, Heizungs- und Malerarbeiten. Zwar zieht der Heizungsabsatz bundesweit wieder an, die Modernisierung bestehender Anlagen kommt jedoch weiterhin nur langsam voran. Bei den Berliner Installateur- und Heizungsbaubetrieben überwiegen bislang die Umsatzrückgänge. Für das Ausbaugewerbe insgesamt erwarten 30 Prozent schlechtere und 14 Prozent bessere Geschäfte.

Handwerk für den gewerblichen Bedarf

Der Index sinkt von 113 Punkten im Vorjahresherbst auf 83 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Herbst 2009. Industrie- und Bürokunden sparen bundesweit bei Reinigungsleistungen. Gleichzeitig belasten hohe Personal- und Fahrtkosten die Betriebe. In der Berliner Gebäudereinigung melden 54 Prozent sinkende Auftragseingänge und 58 Prozent rückläufige Umsätze. Fast jeder zweite Betrieb dieser Handwerksgruppe erwartet schlechtere Geschäfte.

Kraftfahrzeuggewerbe

Der Branchenindex geht gegenüber Herbst 2025 von 132 auf 104 Punkte zurück. 88 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Dennoch überwiegen die Umsatzrückgänge. Wartungs- und Reparaturarbeiten stützen das Geschäft, während der Fahrzeughandel unter Druck bleibt. Hinzu kommen höhere Kosten, die die Erträge belasten. Auch die Erwartungen haben sich verschlechtert: Der Erwartungssaldo fällt seit dem Frühjahr von plus 15 auf minus 15 Prozentpunkte.

Gesundheitsgewerbe

Mit 74 Punkten erreicht das Gesundheitsgewerbe seinen niedrigsten Klimaindex seit Herbst 2021. Kunden verschieben häufiger den Ersatz ihrer Brille. Zahntechnische Labore können gestiegene Kosten nur begrenzt weitergeben. 72 Prozent der Betriebe melden sinkende Umsätze.

Persönliche Dienstleistungen

Die persönlichen Dienstleistungen entwickeln sich vergleichsweise positiv. Ihr Index steigt gegenüber dem Frühjahr von 97 auf 111 Punkte. Die Hälfte der Berliner Friseure bewertet ihre Geschäftslage als gut. Als einzige der sieben Handwerksgruppen erwarten die persönlichen Dienstleistungen per Saldo keine Verschlechterung ihrer Geschäfte.

Nahrungsmittelgewerbe

Besonders angespannt ist die Lage im Nahrungsmittelgewerbe. Der Index fällt von 90 Punkten im Vorjahresherbst auf 61 Punkte. Unter hohem Kostendruck bewerten 53 Prozent der Betriebe ihre Geschäfte als schlecht. Ebenfalls 53 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung.

Beschäftigung und Investitionen bleiben zurückhaltend

Auch bei der Beschäftigung zeigt sich die schwierige Lage im Handwerk. Der Beschäftigungssaldo für die vergangenen Monate liegt bei minus elf Prozentpunkten, nach minus zwei Punkten im Vorjahresherbst. Für das Winterhalbjahr planen mehr Betriebe einen Abbau als einen Aufbau ihres Stammpersonals. Der entsprechende Planungssaldo sinkt von plus einem Punkt im Frühjahr auf minus sechs Prozentpunkte.

Bei den Investitionen bleibt die Zurückhaltung ebenfalls bestehen. Der Investitionssaldo des Handwerks liegt im Herbst bei fünf Punkten, nach neun Punkten im Frühjahr. In der Berliner Wirtschaft insgesamt beträgt der Investitionsindikator 13 Punkte. Er ist damit gegenüber dem Frühsommer unverändert und erreicht den niedrigsten Stand seit sechs Jahren.

Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als größtes Risiko

Für die Berliner Unternehmen stehen zunehmend strukturelle Belastungen und die schwache Nachfrage im Vordergrund. 63 Prozent nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Dazu zählen laut Bericht unter anderem Bürokratie, Abgabenlast, langwierige Verfahren und mangelnde Planungssicherheit.

58 Prozent sehen den schwachen Inlandsabsatz als Risiko, 52 Prozent die Arbeitskosten. Die Energiepreise bleiben für fast jedes zweite Unternehmen ein Unsicherheitsfaktor. 29 Prozent nennen die Rohstoffpreise als Risiko – sechs Prozentpunkte weniger als im Frühsommer.

Auch der Fachkräftemangel wird seltener genannt: 32 Prozent der Unternehmen betrachten ihn als Geschäftsrisiko. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Der Bericht weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass dies nicht bedeutet, dass qualifiziertes Personal leichter verfügbar ist. Der Rückgang dürfte vielmehr auf die schwache Konjunktur zurückzuführen sein.

Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich die sieben Handwerksgruppen von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen sind. Während das Bauhauptgewerbe und die persönlichen Dienstleistungen höhere Indexwerte erreichen, ist die Lage insbesondere im Gesundheits- und Nahrungsmittelgewerbe angespannt. Insgesamt bleibt die konjunkturelle Situation im Berliner Handwerk schwierig. Eine rasche Belebung der Auftragslage ist laut Konjunkturbericht noch nicht absehbar.

Quelle: Berliner Konjunkturbericht Herbst 2026, Handwerkskammer Berlin und IHK Berlin.

Hinweis: Der ursprüngliche Konjunkturbericht wurde für diese Veröffentlichung redaktionell gekürzt.