Aktueller Konjunkturbericht

Berliner Handwerk im Frühjahr 2026 unter wirtschaftlichem Druck.

Zwischen Stabilität, Fachkräftemangel und zurückhaltender Nachfrage

Das Berliner Handwerk erlebt im Frühjahr 2026 eine spürbare konjunkturelle Schwächephase. Der Geschäftsklimaindex liegt mit 100 Punkten exakt auf der neutralen Schwelle. Rückläufige Auftragseingänge, sinkende Umsätze und eine insgesamt verhaltene Geschäftslage prägen derzeit viele Gewerke. Besonders belastend wirken die weiterhin hohen Rohstoff-, Energie- und Arbeitskosten, die von einem Großteil der Betriebe als zentrales Risiko eingestuft werden.

Vor allem das Bauhauptgewerbe steht weiterhin unter Druck. Der stagnierende Wohnungsneubau wirkt sich deutlich auf die Betriebe aus. Dennoch zeigen sich innerhalb der Gewerke Unterschiede: Während Dachdecker vergleichsweise stabile Geschäftslagen melden, profitieren Elektro- sowie Sanitär-, Heizungs-, Klempner- und Klimabetriebe weiterhin von Modernisierungs- und Serviceaufträgen. Deutlich schwieriger bleibt die Situation dagegen für Maler, Lackierer und Tischler, die die schwächere Nachfrage unmittelbar spüren.

Auch im Ausbaugewerbe ist die Stimmung insgesamt verhaltener als noch im Vorjahr. Glaser sowie Rollladen- und Sonnenschutztechniker bewegen sich zwar noch leicht im positiven Bereich, die stabilisierende Wirkung dieser Gewerke auf das Gesamthandwerk nimmt jedoch ab.

Eine vergleichsweise robuste Entwicklung zeigt weiterhin das Kraftfahrzeuggewerbe. Reparatur- und Wartungsarbeiten sorgen dort trotz sinkender Personalbestände für eine stabile Nachfrage. Ebenfalls stabilisierend wirken Metallbauer und Gebäudereiniger, auch wenn viele Betriebe mit vorsichtigen Erwartungen auf die kommenden Monate blicken. Zurückhaltender zeigen sich dagegen investitionsabhängige Gewerke wie die Kälte- und Klimatechnik, da viele Kunden geplante Projekte verschieben.

Im Lebensmittel- und Gesundheitsbereich fällt das Bild unterschiedlich aus. Während Konditoren ihre wirtschaftliche Lage überwiegend stabil einschätzen, leidet das Bäckerhandwerk deutlich unter der sinkenden Kaufkraft vieler Haushalte. Auch die Gesundheitsgewerke entwickeln sich uneinheitlich: Zahntechniker zeigen sich vergleichsweise robust, während andere Bereiche zunehmend unter der Kaufzurückhaltung der Kunden stehen.

Die Handwerke für den persönlichen Bedarf kämpfen ebenfalls weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen. Friseure berichten von einer verhaltenen Stimmung, während Maßschneider, Textilreiniger, Schornsteinfeger, Steinmetze sowie Raumausstatter und Sattler die hohe Preissensibilität vieler Privatkunden deutlich spüren.

Unabhängig von der aktuellen Konjunkturlage bleibt der Fachkräftemangel eines der größten strukturellen Probleme des Berliner Handwerks. Trotz schwächerer Nachfrage sehen rund 71 Prozent der Betriebe darin weiterhin ein erhebliches Risiko. Gleichzeitig ist die Investitionsbereitschaft gering: Viele Unternehmen verschieben größere Anschaffungen und konzentrieren sich auf notwendige Ersatzinvestitionen.

Mit mehreren tausend Betrieben in den unterschiedlichen Gewerken bleibt das Berliner Handwerk dennoch ein zentraler Wirtschaftsfaktor der Hauptstadt. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob sich Nachfrage und Investitionsbereitschaft wieder stabilisieren und neue wirtschaftliche Impulse entstehen können.

Zahlenübersicht der Betriebe (Stand 31.03.2026):

Gebäudereiniger: 4.697 Betriebe | Friseure: 2.503 Betriebe | Elektrotechniker: 1.847 Betriebe | Installateur- und Heizungsbauer: 1.668 Betriebe | Kraftfahrzeugtechniker: 1.091 Betriebe | Maler und Lackierer: 958 Betriebe | Raumausstatter: 568 Betriebe | Tischler: 560 Betriebe | Metallbauer: 469 Betriebe | Dachdecker: 379 Betriebe | Maßschneider: 334 Betriebe | Zahntechniker: 238 Betriebe | Schornsteinfeger: 173 Betriebe | Bäcker: 161 Betriebe | Konditoren: 130 Betriebe | Glaser: 128 Betriebe | Rollladen- und Sonnenschutztechniker: 82 Betriebe | Sattler: 78 Betriebe | Kälteanlagenbauer: 77 Betriebe | Steinmetzen und Steinbildhauer: 63 Betriebe | Textilreiniger: 55 Betriebe | Orthopädietechniker: 54 Betriebe

Quelle: basierend auf den Wirtschaftsbericht Frühjahr 2026 - Handwerkskammer Berlin