WHdI e.V. im Austausch mit Bürgermeister Michael Müller

Zum letzten Mal in seiner Funktion als Regierender Bürgermeister hat Michael Müller Vertreter der 23 im Verein WHdI (Wenn Handwerk - dann Innung) zusammengeschlossenen Berliner Innungen ins Rote Rathaus eingeladen. Leider erstmalig nur in virtueller Form und nicht wie bisher immer üblich zum gemeinsamen Frühstückstermin.

Die verschiedenen Gewerke sind bisher sehr unterschiedlich durch die Pandemie gekommen. Diese - erwartbare - Einschätzung hat sich in der Runde bestätigt. Während vor allem Friseure, aber auch die Lebensmittel und Reinigungshandwerke, die vielfach im Bereich Gastronomie und Hotellerie engagiert sind, besonders hart getroffen sind, sind die Bau- und Ausbaugewerke deutlich bessergestellt.

Aber ob diese grundsätzlich positive Einschätzung so bleibt, ist angesichts der massiv steigenden Materialpreise zumindest fraglich. Bürgermeister Müller hat der Runde zugesagt, die öffentlichen Auftraggeber im Land Berlin für diese Nöte zumindest zu sensibilisieren.

Schwerpunktthema des Gesprächs war aber der Bereich Ausbildung. Einmal mehr beklagten die Innungsvertreter, dass zu viele Schulabgänger eigentlich nicht ausbildungsreif seien, da vor allem die Kenntnisse im Bereich Mathematik und die sprachlichen Fähigkeiten nicht ausreichend seien. Der massive Unterrichtsausfall in den letzten Monaten habe diese Situation ganz gewiss nicht verbessert, was sich leider bereits in deutlich verschlechterten insbesondere theoretischen - Prüfungsergebnissen manifestiert hat.

Und auch die Situation der Bildungsstätten wurde intensiv besprochen. Viele der Mitgliedsinnungen betreiben eigene Ausbildungszentren, in den Überbetrieblich ausgebildet wird, wo Prüfungen abgenommen und Meisterkurse durchgeführt werden oder wo bestimmte Projekte z.B. die Eingliederung von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt befördern sollen. Auch diese Bildungsstätten bleiben von den Folgen der Pandemie bei weitem nicht verschont. Gruppengrößen mussten verringert werden, Abstands- und Hygieneregeln geplant und umgesetzt werden und zuletzt in großem Umfang Schnelltests besorgt werden. Denn bei ÜLU und Prüfungen besteht in Berlin echte Testpflicht. Der coronabedingte finanzielle Mehraufwand, der von den betroffenen Innungen akribisch zusammengetragen wurde, beläuft sich mittlerweile auf mehr als eine halbe Millionen Euro. Finanzielle Unterstützung hat es hierfür bislang nicht gegeben. Bürgermeister Müller sagte aber zu, mit den zuständigen Senatsverwaltungen noch nach Lösungen zu suchen.

 

Dass es in Zeiten der Pandemie schwierig ist, Veranstaltungen zur Berufsorientierung in Präsenzform durchzuführen, wurden von allen Seiten bedauert. In vielen Bereichen hat dies auch zu deutlichen Einbrüchen bei den Auszubildendenzahlen geführt. Die aktuell häufig genutzten digitalen Formate sind kein adäquater Ersatz für echte Ausbildungsmessen. Gerade das Handwerk lebt davon, wenn es sich “zum Anfassen” präsentieren kann. In diesem Zusammenhang ist es umso schlimmer, dass die Messe Berlin ohne jegliche Vorwarnung das Ende der bautec verkündet hat. Insbesondere das Karrierecenter im Rahmen der bautec war ein sehr erfolgreiches Format, in dem während der letzten Messe mehr als 4.000 Schülerinnen und Schülern die Berufe der Bau- und Ausbaugewerke in vielfältigen Mitmachangeboten -in erster Linie von den zuständigen Innungen - vorgestellt wurden.

Auch die Frage, wie es in Sachen Energiewende weitergehen soll, wurde diskutiert. Vor allem die SHK- und die Elektroinnung sehen hier großen Gesprächsbedarf und wiesen in diesem Zusammenhang aus die geplante „Klimawerkstatt“ hin, die auf dem Gelände der HTW in Oberschöneweide errichtet werden soll. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup, ebenfalls regelmäßiger Teilnehmer dieser Gesprächsrunde, wies auf die verschiedenen Gesetzesänderungen auf Bundesebene hin, die unmittelbar auch in Berlin umgesetzt werden müssten. Zu diesem Thema wurde unmittelbar eine Projektgruppe initiiert.

Abschließend bedankte sich Jörg Paschedag, der als Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung aktuell Vorsitzender von WHdI e.V. ist, bei Bürgermeister Müller für die langjährige gute und durchaus vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Innungen des Berliner Handwerks. Dass Michael Müller als gelernter Buchdrucker selber aus dem Handwerk kommt, war hierfür sicher von Vorteil. Dass es nach den Wahlen im September ähnlich gute und offene Gesprächskanäle gibt, bleibt zu hoffen.

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