„Bei mir bekommt jeder eine Chance“

Unterstützt seine Auszubildenden: Meister Thomas Lundt (r.), Ausbildungscoach Janek Debus (l.) und Shenouda Ghaly, jetzt als Geselle in der Lundt Sportwagen Service GmbH beschäftigt.

In seiner auf Porsche spezialisierten Werkstatt hat Meister Thomas Lundt schon viele junge Menschen ausgebildet. Er schaut nicht so sehr auf Zeugnisse, mehr auf den Menschen.

Sie gehen als Ausbilder anders heran, können Sie beschreiben, wie?

Thomas Lundt:

Meine Grundregel heißt: die Mitarbeiter einbeziehen. Ich erkläre ihnen, was und wie ich es machen will, dann sollte jeder Bescheid wissen. Und mein Team zieht mit. Ob ein junger Mensch Potenzial hat, spiegelt sich nicht unbedingt in seinen Noten wieder, aber eine Chance verdient jeder. Die bekommt er hier.

Schrecken Sie komplizierte Fälle nicht ab?

Wenn ich einen Flüchtling ausbilde, muss die arbeitsrechtliche Situation vorher geklärt sein. Darum kann ich mich als Unternehmer nicht kümmern. Auch nicht um Behördengänge oder ähnliches. Dafür gibt es externe Unterstützung, wie sie ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching anbietet. Ich will Motivation sehen und Lernbereitschaft. Dabei unterstütze ich meine Azubis. Manchmal heißt das auch, dass wir über die normale Arbeitszeit hinaus lernen.

In schwierigen Zeiten wird auch die Frage gestellt, ob sich Ausbildung noch lohnt. Wie sehen Sie das?

Ausbildung lohnt sich immer, für alle Beteiligten. Ich sichere doch in erster Linie den Fachkräftenachwuchs für mein Unternehmen. Für unsere Gesellschaft heißt das: Der künftige Geselle kann seinen Unterhalt allein bestreiten und zahlt in unser Sozialsystem ein, anstatt davon zu leben. Wenn ich als Meister gut ausbilde, holt ein Azubi die Kosten während seiner Lehrzeit spielend wieder rein. Falls jemand Zweifel hat, erkläre ich auch gern, wie.

Kfz-Meister Thomas Lundt redet nicht lange, er macht einfach. Fünf Geflüchtete hat der Obermeister der Kfz-Innung Berlin bisher ausgebildet, auch Shenou-da Ghaly. Der 36-Jährige kam 2013 aus Ägypten nach Berlin. In Kairo hatte er eine schulische Kfz-Ausbildung absolviert, die aber hierzulande nicht anerkannt wird. Über ARRIVO BERLIN fand er bei Thomas und Silvia Lundt einen neuen Ausbildungsplatz.

Vor einigen Wochen hat Shenouda Ghaly die Gesellenprüfung bestanden und seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beendet. Unterstützt wurde er dabei auch vom Projekt ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching. Fast ein Jahr lang nahm er zuverlässig an den wöchentlich angebotenen Kursen teil, „und hat sich auf die Prüfungen in den Fächern Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Kfz-Fachkunde vorbereitet“, sagt Ausbildungscoach Janek Debus. „Er war bereit, im Betrieb und nach Feierabend für die Schule hart zu arbeiten.“

Die Anforderungen sind hoch und ohne gute Deutschkenntnisse nicht zu schaffen. Die ARRIVO-Ausbildungscoaches organisieren deshalb auch Nachhilfe.

Weil es nur wenige Kurse gibt, hat Thomas Lundt eine pensionierte Lehrerin aus der Nachbarschaft gewinnen können. Sie kommt eine Stunde pro Woche ins Unternehmen und unterrichtet Deutsch.

Das Berliner Handwerk engagiert sich seit 2015 für die Integration und Qualifizierung Geflüchteter, denn vielen Betrieben fehlt der fachliche Nachwuchs. Aus diesem Grund unterstützt die Handwerkskammer ARRIVO BERLIN und seine Projekte, dazu gehören auch ARRIVO Ausbildungscoaching, ARRIVO Servicebüro und die ARRIVO Übungswerkstätten.

© Irena Büttner

Tel.: (030) 2 59 03 – 388

arrivo@hwk-berlin.de

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