Corona-Pandemie verlangt Terminverschiebungen und Augenmerk auf das neue Ausbildungsjahr 2020/21

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Besonders schwierig ist die Situation für die jungen Menschen, die ihre Ausbildung nicht, wie gewohnt, im normalen Rahmen fortsetzen können. Es entstehen Fragen, wie:

Verlängert sich die Ausbildung, wenn die Ausbildungsprüfung verschoben wird?

Nein, die Ausbildungsdauer verlängert sich nicht.

Die Ausbildung endet laut Gesetz mit dem Ablauf der Ausbildungsdauer (in der Regel zwei oder drei Jahre), also mit Ablauf des im Ausbildungsvertrag vereinbarten letzten Ausbildungstages. In der Regel bestehen Auszubildende aber vor Ablauf der vereinbarten Ausbildungsdauer die Abschlussprüfung.

Im Falle des Bestehens der Abschlussprüfung, endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Ergebnisses.

Im Falle des Nichtbestehens der Abschlussprüfung, endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Ablauf des im Ausbildungsvertrag vereinbarten letzten Ausbildungstages

Die Verschiebung der schriftlichen Prüfungen von April auf Juni bewirkt, dass in vielen Fällen auch die mündlichen und praktischen Prüfungen, welche in der Regel als letzte Prüfungsleistung abgenommen werden, später durchgeführt werden. Die Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses wird deshalb voraussichtlich auch erst etwas später als in den Vorjahren erfolgen können. Bis dahin läuft das bestehende Ausbildungsverhältnis weiter, längstens bis zum vertraglich vereinbarten Enddatum.

Auf Antrag des Azubis bei der IHK kann jedoch eine Verlängerung der Ausbildungszeit beantragt werden. Voraussetzung: Die Verlängerung ist erforderlich, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Diese kann bei einer längeren Corona-bedingten Ausfallzeit der Berufsausbildung im Betrieb oder in der Berufsschule durchaus der Fall sein.

Entstehen mir Nachteile, wenn die Prüfung verschoben wird?

Grundsätzlich sollten den Prüflingen keine Nachteile durch eine verschobene Prüfung entstehen. Der ausgefallene Termin wird selbstverständlich nicht als Prüfungsversuch gewertet. Auszubildenden deren Zwischenprüfung ersatzlos entfällt, können trotzdem zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn die übrigen Voraussetzungen vorliegen.

Was passiert, wenn die Abschlussprüfungen über die Zeit der zwei- bzw. dreijährigen Ausbildung hinaus verschoben werden muss?

Sollte die Ausbildung mit Ablauf des Ausbildungsvertrages vor dem Ablegen der letzten Prüfungsleistung enden, kann der Prüfling einen Antrag auf Verlängerung seines Ausbildungsvertrages nach § 21 Abs. 3 BBiG stellen. Zwar liegt kein Fall des Nichtbestehens vor, aber die unverschuldete Prüfungsverschiebung wird entsprechend berücksichtigt. Die IHK wird dann den Ausbildungsvertrag um die Zeitdauer verlängern, die zum Ablegen der Abschlussprüfung erforderlich ist.

Werden die Prüfungsgebühren erstattet bzw. bei Anmeldung zum nächsten Prüfungstermin verrechnet?

Ja, die Prüfungsgebühren für die abgesagten Prüfungen werden erstattet bzw. bei Anmeldung zur nächsten Prüfung verrechnet.

Kann die Probezeit der Auszubildenden verlängert werden, wenn die Ausbildung während der Probezeit Corona-bedingt unterbrochen werden muss oder nur eingeschränkt möglich ist?

Grundsätzlich muss die Probezeit mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen (§ 20 BBiG).

Die Probezeit verlängert sich nicht automatisch bei Ausfall der Ausbildung um die Dauer der Unterbrechung. Wird die Ausbildung während der Probezeit um mehr als ein Drittel dieser Zeit unterbrochen, kann jedoch die Probezeit vertraglich um den Zeitraum der Unterbrechung verlängert werden.

Die Vertragsparteien können sich auf eine solche Vereinbarung etwa dann nicht berufen, wenn die Unterbrechung der Ausbildung selbst vertragswidrig herbeigeführt wurde.

Was bedeutet eine Insolvenz für das Ausbildungsverhältnis?

Weder eine drohende Insolvenz noch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben direkte Auswirkungen auf den Ausbildungsvertrag. Sollte ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, tritt allerdings in der Regel der Insolvenzverwalter an die Stelle des Ausbildenden (im Falle der Eigenverwaltung der sog. eigenverwaltende Schuldner). Alle aus dem Ausbildungsvertrag bestehenden Ansprüche sind an ihn zu richten.

Der Ausbildende bzw. der Insolvenzverwalter sind dazu verpflichtet, die aus dem Ausbildungsverhältnis resultierenden Pflichten weiter zu erfüllen. Hierzu zählt insbesondere die Zahlung der vereinbarten Ausbildungsvergütung. Ausbildender und Auszubildender können sich auf eine Kürzung der Ausbildungsvergütung einigen. Die Ausbildungsvergütung muss jedoch weiterhin angemessen und höher als die gezahlte Vergütung des vorhergehenden Jahres sein (§ 17 Abs. 1 BBiG).

Wird im Zuge des Insolvenzverfahrens das Unternehmen, zum Beispiel durch Kauf, vollständig auf eine andere Person übertragen, tritt diese in die Rechte und Pflichten aus dem Berufsausbildungsverhältnis ein.

Seit dem 4. Mai begannen u.a. bei der IHK Berlin wieder Aus- und Weiterbildungsprüfungen – zunächst im mündlichen Bereich. Die schriftlichen Prüfungen werden ab Juni wiederaufgenommen. Die für die bundeseinheitlichen Aufgabenerstellungen verantwortlichen Einrichtungen haben auf ihren Webseiten bereits geplante Termine eingestellt. Weitere Informationen finden Sie hier!

Auch wer auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, hat momentan viele Fragen.

Ein besonderes Augenmerk muss auf den Start des neuen Ausbildungsjahres am 01.09.2020 gelegt werden. Deshalb sind alle ausbildungsberechtigten Betriebe aufgerufen, ihr Ausbildungsangebot für das nächste Ausbildungsjahr aufrecht zu erhalten und dafür angebotene Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen oder die Möglichkeit zu nutzen, im Verbund mit anderen Betrieben auszubilden.

Betriebe und Azubis können sich mit Ihren Fragen an die Ausbildungsberaterinnen und –berater der zuständigen Stellen für die Berufsbildung und das Verbundbüro wenden. Für Auszubildende steht das Beratungsangebot der DGB-Jugend unter „Dr. Azubi“ offen. Jugendliche und junge Erwachsene werden gebeten, sich über die Angebote und Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung in den digitalen Informations- und Beratungsangeboten der Jugendberufsagentur Berlin zu informieren.  Die Berufsberatung ist über das Kontaktformular auf der Webseite zu erreichen.

Hier - beim Unternehmerverband Brandenburg-Berlin - gibt es Informationen - von Berufeinfos bis Ausbildungsplatzbörsen - zu dualer Ausbildung in vielen Branchen in Berlin und Brandenburg.

 

 

 

 

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