Im Berliner Handwerk findet jeder seinen Platz

Ulrich Wiegand im Gespräch mit den Berliner Innungen

Das Coronavirus hat uns alle, trotz einiger Lockerungen, fest im Griff. Noch nie gab es in den letzten Jahrzehnten solch drastische Einschränkungen in den persönlichen Lebensbereichen. Die Corona-Krise ist auch auf dem Ausbildungsmarkt spürbar. Es ist ersichtlich, dass die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze tatsächlich sinkt. Aber auch die zukünftigen Auszubildenden für September 2020 sind irritiert.

Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, unterstreicht die „besondere Situation“ in diesem Jahr. Die hauseigene Lehrstellenbörse weist momentan 900 offene Lehrstellen in den einzelnen Gewerken aus. Diese Größenordnung gab es in den letzten vier Jahren nicht mehr. „Als Handwerk sind wir noch recht gut durch die Krise gekommen, Veranstaltungstechniker und die Hotellerie hat es viel intensiver getroffen“, betont Wiegand im Austauschgespräch mit den Berliner Innungen und WHdI. Begehrte Maßnahmen zur Rekrutierung von Azubis, wie Messen und ähnliches, fanden in anderen Rahmen oder größtenteils gar nicht statt. Der Präsenzcharakter muss auf neuen Wegen bestritten werden. Laut Wiegand müssten die Zahlen der suchenden Schüler wachsen. Diverse Branchen bilden mittlerweile schon gar nicht mehr aus: Es sind dadurch mehr Schüler vermittelbar. Glück im Unglück: Die meisten Schüler sind durch Corona nach ihrem Schulabschluss in Berlin geblieben, das müsse man jetzt ausnutzen!

Jörg Paschedag, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Berlin erlebt seit gut zwei Wochen einen Rückgang der Bewerber. Letztes Jahr um diese Zeit habe er mehr Zulauf verzeichnen können. Seine Betriebe wollen größtenteils weitermachen, die Stellen wären da. Andererseits gibt es auch ein paar Firmen, die im Ausbildungsbereich wegen Mietendeckelgesetz oder Corona pausieren möchten. Verstärkte Aufmerksamkeit wird nun auf Social-Media und eine bundesweite Kampagne gelegt.

Bei den Metallern und Feinmechanikern herrscht eine ähnliche Situation, berichtet der Geschäftsführer der Berliner Innung, Detlef Pohl. „Wir sind jedes Jahr mit den Ausbildungsverträgen etwas später dran. Das liegt aber auch daran, dass wir von unserem Berufsbild wahnsinnig überzeugen müssen. Uns fehlt dabei auch die Ansprache der Schulen. Wir kommen schwer an die Schüler ran“, schätzt Pohl die Situation seiner Branche ein. Auf der Internetseite der Innung für Metall- und Kunststofftechnik Berlin listet er sämtliche Betriebe, die ausbilden wollen, auf.

Die Elektro-Innung Berlin, im Meeting durch Frau Ines Künzel (verantwortlich für Internetseite und Öffentlichkeitsarbeit) vertreten, weist auf das Azubiportal „E-Zubis“ hin. Dort finde man alle wichtigen Infos, die interessierte, junge Menschen zum Thema Ausbildung im E-Handwerk weiterhelfen könnten. In sämtlichen Newslettern wirbt die Elektro-Innung für dieses Ausbildungsportal. Innungsbetriebe können dort freie Lehrstellen kostenlos einstellen und Jugendliche haben die Chance, sich direkt bei diesen Firmen bewerben. Die persönliche Betreuung steht bei der Elektro-Innung aus Oberschöneweide besonders im Vordergrund: Sollten Schwierigkeiten beim Log-in oder ähnlichem auftauchen, steht Frau Künzel in Form einer persönlichen Betreuung telefonisch sehr gern zu Verfügung.

Die Kfz-Innung Berlin erfuhr bei ihrer Betriebsumfrage, dass 20% der Innungsmitglieder dieses Jahr nicht ausbilden wollen. Mit Teaser auf Homepage, Veröffentlichungen bei Facebook und Instagram sowie mit Hilfe ihres Bundesverbandes versucht die Innung aktiv digitales Rekruting zu betreiben. Trotz aller Schwierigkeit in diesem Jahr mit beachtlichen Erfolg: Dieses Jahr sind bisher 138 Bewerbungen in den Betrieben eingegangen (Stand 13.7.20), im vergangenen Jahr waren es 130.

Die Handwerkskammer geht Ende Juli bis in den September hinein mit ihrem Karrieremobil an den Start. In Rathäusern der Bezirke und anderen öffentlichen Plätzen wollen Kammer-Mitarbeiter sowie die Berliner Innungen als persönliche Ansprechpartner fungieren, um Schüler/-innen und Eltern zur Berufsausbildung zu beraten und bei der Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen.
Am 06.08.2020, in der letzten Ferienwoche, startet die IHK Berlin gemeinsam mit der Handwerkskammer Berlin die erste virtuelle Ausbildungsmesse #ZukunftAusbildung. Egal, ob vom Laptop/PC, Tablet oder Smartphone. Junge Leute können sich überall für die #ZukunftAusbildung einloggen. Ab 27.07.2020 können sie sich unter www.talentefinder.de zur virtuellen Messe anmelden und sofort Unternehmen kennen lernen. Am Donnerstag, den 06.08.2020 – am eigentlichen Messetag, kann man per Videocall Unternehmen persönlich treffen.

Besprochen wurde auch die geplante Image-Kampagne des Berliner Handwerks. Die Handwerkskammer möchte die Jugend für alle Gewerke ansprechen. Hierzu wurden geeignete Plakat-Motive, welche zeitnah in der Hauptstadt zu sehen sein werden, mit den Innungen besprochen. Der Fokus wird dabei auch auf den Ausbildungsbeginn 2021 gelegt.

„Wenn Handwerk – dann Innung“ stellt auf ihrer Homepage zukünftigen Auszubildenden eine Fülle von Berufen vor und gibt Tipps, wie eine Karriere im Handwerk beginnen könnte.

Wir wünschen allen Azubis einen guten Start ins Berufsleben!


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